MARNHEIM. Für Karola Albert geht ein Traum in Erfüllung.
Wegen ihrer herausragenden Leistungen im Gewehr-Schießen
darf die Sechzehnjährige als Beobachterin zu den Olympischen
Spielen nach Sydney reisen.
Mit 51 weiteren jungen Sportlern aus den verschiedensten
Sportarten und 13 Betreuern startete Karola am 15. September
von Frankfurt. Zuvor wurde die Gruppe von Sportminister
Walter Zuber verabschiedet.
Die Rheinland- pfälzischen Reiseteilnehmer werden finanziell
vom Sportbund Rheinlandpfalz unterstützt. Den Empfang der Olympiabekleidung
in Mainz hat die erfolgreiche Schützin der Schützengemeinschaft Marnheim
schon hinter sich. Einheitliche Wind- und Regenjacken, Poloshirts, Sporthosen
und Shorts, natürlich mit dem Landeswappen, gehören zu ihrer Ausrüstung.
Die Vorfreude ist kaum zu überbieten: "Neben dem fast vierzehntägigen
Olympiaprogramm haben wir anschließend noch eine Woche Gelegenheit, die
Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besuchen." Das Programm der Sportjugend
liegt ihr mittlerweile vor, Eintrittskarten stehen für die Besuche bei
den Fecht-Wettkämpfen, Judo, Beachvolleyball, Ringen und vor allem Leichtathletik
zur Verfügung. Um diese Eintrittskarten finanzieren zu können, erhält
Karola Albert ein Taschengeld der Sportjugend von rund 500 Mark. Insgesamt
kosten die knapp drei Wochen, rund 10000 Mark. Trotz Nachwuchs-Förderung:
Ihr Eigenanteil beträgt immer noch rund 4700 Mark.
Vor etwa einem Jahr hatte Karola sich für diese Reise beworben.
Wegen ihrer guten und beständigen Schießleistungen fiel die Wahl auf sie.
Eine verdiente Belohnung, denn die Leistungen und Erfolge der jungen Frau
sind beachtlich. Bei den Kreis- Landes- und Rheinland-Pfalz-Meisterschaften
in der Schüler- oder Jugendklasse belegte sie in den letzten fünf Jahren
fast ausschließlich vordere Plätze.
Für Karola Albert begann die Karriere 1990 im heimischen
Verein. "Ich wollte immer eine eigene Waffe haben. Meine Mutter sagte
damals lächelnd, wenn ich das erste Mal an Deutschen Meisterschaften teilnehmen
würde, bekäme ich eine." Sie hatte wohl nicht daran geglaubt, daß sie
bereits ein Jahr später tief in die Tasche greifen mußte. Denn da waren
rund 2500 Mark für das "Schießeisen" auf den Tisch zu blättern.
Mutter Sigrid beschreibt die Probleme der jungen Sportlerlaufbahn:
"Ein qualifizierter Trainer ist im Marnheimer Bereich nicht zu finden.
Deshalb müssen wir öfter nach Kaiserslautern zum ESC West zum Training."
Die Familie ist fast jedes Wochenende irgendwo in Deutschland
zu Meisterschaften unterwegs. Kein Wunder, wenn der Kilometerzähler in
wenigen Monaten wieder einmal eine Zehntausender-Marke überspringt. "Das
geht natürlich nur, wenn die Familie zusammenhält," erzählt die Mutter
mit Blick auf den Geldbeutel. Denn Sponsoren für diesen Sport zu finden
ist fast unmöglich.
Zunächst heißt es jetzt für Karola Albert, die Olympiade
in Australien zu erleben. Danach geht das Training weiter. Denn sie hat
ein Ziel vor Augen. In vier Jahren will sie bei den Spielen in Athen dabei
sein - dann aber nicht mehr als Gast, sondern als Teilnehmerin! ...
|